Beschreibung
Der Comic hybridisiert Text und Bild, der Literaturcomic wiederum hybridisiert Literatur und Comic.
Die Zeiten sind längst vorbei, in denen Adaptionen im Comic – wenn überhaupt – geradezu belächelt, als bloße kindgerechte Einstiegshilfe in die 'echte' (Text-)Literatur betrachtet wurden: Zu groß, divers und kreativ ist das Angebot an Comics, die literarische Texte zu ihrer Grundlage machen, ohne sie schlicht zu übernehmen oder zu bebildern.
Dieser Band betrachtet das mediale Spannungsfeld zwischen Textliteratur und der 'neunten Kunst' (Scott McCloud) und reflektiert über die ganz unterschiedlichen Erzählverfahren sowie die teils radikal divergenten Poetiken, die ihnen zugrunde liegen. Dabei werden das vielgestaltige Spektrum deutschsprachiger Literaturcomics und die ablesbaren Tendenzen und Präferenzen in den Blick genommen: Die in den letzten knapp zehn Jahren auf den Markt gebrachten Literaturcomics bieten einen reichen Fundus an unterschiedlichsten Adaptions-, Inszenierungs- und Erzählstrategien. Dies gilt für kaum einen deutschsprachigen Autor so sehr wie für Franz Kafka, insbesondere die 'Verwandlungen der Verwandlung' bieten der Literaturcomic-Analyse ihrerseits ein höchst lebendiges Biotop. Denn Kafkas vielleicht bekanntester Erzählung sind besonders viele Adaptionen gewidmet.
Inhaltsverzeichnis
Inhalt
Einleitung
Literaturcomics: Analysen, Schlaglichter und Tendenzen
- Vernachlässigte Verwandtschaft und Nicht-Literaturcomics
- Spotlight Schweiz: Glauser und Dürrenmatt
- Spotlight Deutschland: Hoffmann und Sandmann
- Spotlight Österreich: Arthur Schnitzler
Kafka intermedial
- Kafka am Strand, dabei Tiktoks durchscrollend und Mordfälle lösend
- Von Kafka und Comics
- Von Ungeziefer und Unbeschriebenem
- Als "Die Verwandlung" eines Morgens aufwachte, fand sie sich in einen Comic verwandelt
Quo Vadis, oder: Was sonst noch im Regal und auf dem Plan steht
Anmerkungen
Rezensionen
"Dieser Devise folgt auch Aust in Literaturcomics. Nachdem er in kurzen Kapiteln etwas zu wenig motivierte Schlaglichter auf Adaptionen deutschsprachiger Autoren geworfen hat - also Adaptionen der Werke von Friedrich Glauser, Friedrich Dürrenmatt, Arthur Schnitzler und E.T.A. Hoffmann ?, stellt er eine erstaunliche Bandbreite an Adaptionen von Kafkas wahrscheinlich berühmtester Erzählung vor: von Peter Kupers 'Metamorphosis' (2003), das Aust in ein 'verzweigtes intertextuelles und intermediales Verweissystem eingebunden' (S.81) sieht, bis zum weniger am Text orientierten 'Manga Bug Boy' (2004) von Hideshi Hino (2007 auf Deutsch erschienen), der 'gruselige bzw. hässliche mit niedlichen Elementen' (S.99) kombiniert. So beredt Austs Analysen sind, gelingt es ihnen nicht in allen Fällen, sich von der (mit dem Original vergleichenden) Nacherzählung zu lösen. Verdienstvollerweise spannt Aust den Bogen bis zu Disneys Lustige Taschenbücher (...)."
Ole Frahm, Medienwissenschaft 1/26