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    Herausgegeben von Ulrich Tadday

    Sonderband
    Die Musik - eine Kunst des Imaginären?



    Beschreibung

    Die Musik wird allgemein entweder als eine realistische oder eine abstrakte Kunst verortet. Dieser Annahme stellt der diesjährige Sonderband die Frage entgegen, ob und wie sich Orte der Musik im Gefüge von Vorstellung, Imagination, Phantasma, Intuition und dem Imaginären bestimmen lassen. Wurde der Einbildungskraft die Funktion zugeschrieben, absente Wirklichkeit in der Vorstellung präsent werden zu lassen, sodann Welten oder "Geisterreiche" unabhängig von Realität hervorzubringen, so bezeichnet das Imaginäre – sei es ein ästhetisches oder politisches – einen an sich bedeutungslosen, leeren Zwischenraum, eine "Wahrnehmungslücke", die aus je anderer Sicht geschlossen wird. Die weiße, auf ihre scheinbar koordinative Randeinfassung reduzierte Seekarte aus Lewis Carrolls "The Hunting of the Snark" artikuliert diesen Projektionsraum des Imaginären. Roland Barthes hat in diesem Sinn den Eiffelturm "funktionslos" genannt, weil ihm Bedeutung und starker Symbolgehalt nur von außen zugesprochen wird. Nach Wolfgang Iser ist die Intensionslosigkeit des "leeren Zeichens" grundlegend für das Imaginäre, dem Sinn von Aktivierungsfeldern unterschiedlichster Art zugewiesen wird. Diesen Feldern in Form imaginärer Szenen und Räume – flankiert von Philosophie und Kunsttheorie – in der Musik von Richard Wagner bis hin zu Pierre Boulez, Mark Andre und Manos Tsangaris nachzugehen, gilt das Interesse dieses Sonderbandes.

    Inhaltsverzeichnis

    - Vorwort
    - Oliver Wiener/Martin Zenck: Szenen und Räume des musikalisch Imaginären im Diskursfeld von Einbildungskraft und Phantastik. Versuch einer Grundlegung mit fünf musikalischen wie bildnerischen Modellen
    - Oliver Wiener: Das "Desiderat musikalischer Befreiung, das mich lockt". Zum Imaginären der Musik bei Theodor W. Adorno
    - Wolfgang Brassat: Das Imaginäre als Erkenntnisleistung der Seele. Zur Verzückung der Heiligen Caecilia und weiteren Werken Raffaels
    - Friedemann Kreuder: Männliche Mattheit, weibliche Wucht. Zur imaginierten Weiblichkeit in Richard Wagners "Tannhäuser" mit Blick und Ohr auf die "imaginäre Szene" bei Jacques Lacan
    - Volker Rülke: Die imaginären Landschaften in Debussys Orchesterstücken
    - Konstantin Voigt: Jazz als 'Transzendenz'. Imaginationen von Rhythmus und Körper bei Claude McKay, Langston Hughes und Piet Mondrian
    - Christian Lemmerich: Das Imaginäre als intermedialer Zwischen-Raum in den musikbezogenen Bildtiteln Paul Klees
    - Cathrin Mauer/David Rauh/Holger Slowik/Oliver Wiener: Das Imaginäre in der Differenz. Pierre Boulez' "Notations VII"
    - Martin Zenck: "Zwischenräume". Räume des Imaginären im Ensemblestück "Zwischenraum" und im Musiktheater "wunderzaichen" von Mark Andre
    - Abstracts
    - Bibliografische Hinweise
    - Autorinnen und Autoren

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