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    Jahrbuch für die Literatur der fünfziger Jahre
    Band 11
    Die große Schuld
     



    Beschreibung

    Wie hat die Literatur im Land der Täter die ungeheuerlichen NS-Verbrechen thematisiert?
    Die Welle der von den angloamerikanischen Besatzungsmächten vornehmlich lizenzierten autobiografischen Berichten aus Konzentrations- und Vernichtungslagern bricht mit der Gründung der beiden deutschen Staaten weitgehend ab. Im Zeichen des Kalten Krieges delegieret die DDR als der vermeintlich ‚neue‘ und bessere Staat die Schuld an den Westen. Das Wirtschaftswunderland BRD instrumentalisierte die wenigen ernsthaften Auseinandersetzungen zur symbolischen Entschuldung und feierte die zahlreichen Aufführungen des Nathan.
    Wie dauerhaft die braune Ideologie nachwirkte, zeigen die Spruchkammerakte Erwin Guido Kolbenheyers, die Trivialisierung des Nürnberger Ärzteprozesses, die mythologisierenden Reiseberichte aus dem von Deutschen massakrierten Griechenland, die Darstellung der Zigeuner in erzählenden Texten. Für die ‚Schuld‘ der Überlebenden stehen die Texte von Peter Weiss, George Tabori und Johannes Bobrowski ein. Der Band enthält ferner eine erstmals gedruckte Erzählung von Alexander Kluge.

    Inhaltsverzeichnis

    - Editorial
    - Alexander Kluge: Die elegante Tschudai. Mit einer Vorbemerkung von Thomas Combrink

    Historischer Überblick
    - Harald Schmid: Gemeinsame Schuld, separate Gedächtnisse. Zum Umgang mit dem Nationalsozialismus in Deutschland bis 1960

    Beschweigen – Verleugnen
    - Stefan Ripplinger: Wir sind eins. Nathan der Weise in Nachkriegsdeutschland
    - Julie Bartosch: Ein Roman, der in den fünfziger Jahren nicht erscheinen konnte: Martina Wieds ‚historische Biographie‘ Jakobäa von Bayern
    - Günter Häntzschel: Halbherzige ‚Vergangenheitsbewältigung‘. Betina Ewerbeck: Gasbrand. Roman eines Ärzteprozesses (1955)
    - Sylvia Fischer: Die Schuldigen leben in Westdeutschland. Zur Diskussion der Schuldfrage in Filmen des DEFA-Regisseurs Kurt Maetzig (1947–1957)
    - Hiltrud Häntzschel: „Erspart Kolbenheyer das Schicksal Tassos.“ Einblicke in eine Spruchkammerakte. Mit einer Stellungnahme
    von Erich Kästner

    Erinnern
    - Anika Binsch, Charlotte Kitzinger: Entlastungssehnsucht und taube Ohren: frühe Holocaust- und Lagerliteratur und ihre Wirkung auf das deutsche Lesepublikum in den 1940er und 1950er Jahren am Beispiel von Else Behrend-Rosenfelds Ich stand nicht allein
    - Helmut G. Asper: Die vergessenen Emigranten in Paris. Ein Rundfunkfeature und eine Fernsehsendung aus dem Jahr 1956, die „etwas bewirkt“ haben
    - Hans Richard Brittnacher: Unbelehrbar. Vom Antiziganismus der deutschen Literatur in den 1950er und 1960er Jahren
    - Christopher Meid: Schuld und Entlastung. Reiseberichte von Erhart Kästner, Walter Jens und Rolf Bongs

    Versuche der Verarbeitung
    - Ulrike Böhmel Fichera: „... und geübt sind sie, den Schrei nicht zu hören, der die Ordnungen aufhebt“. Vom Umgang mit der Schuld in der frühen deutschen Nachkriegsliteratur
    - Norman Ächtler: „Ich hab aufgehoben, dran ich vorüberging“ – Augenzeugenschaft und ‚Aufarbeitung‘ in Johannes Bobrowskis Lyrik um 1960
    - Steffen Groscurth: „Ein Eingeweihter in ein gigantisches Verbrechen“: Überlebensschuld und literarische Erinnerungsarbeit im Frühwerk des Peter Weiss
    - Martin Kagel: Ortlosigkeiten: George Taboris Flucht nach Ägypten
    - Sven Hanuschek: „Wer die Laster haßt, haßt die Menschen.“ Bernard von Brentanos Autobiographie Du Land der Liebe (1952)
    - Dominik Müller: „Haben wir nach ihrer Schuld gefragt?“ Max Frischs Kriegsstücke Nun singen sie wieder und Als der Krieg zu Ende war
    - Dieter Liewerscheidt: Wolfgang Koeppens Roman Tauben im Gras: Aggressivität zwischen Zeit- und Selbstkritik

    - Die Beiträgerinnen und Beiträger
    - Adressen der Beiträgerinnen und Beiträger
    - Personenregister

    Rezensionen

    „Besonders verdienstvoll sind die Beiträge zu den Erinnerungs- und Verarbeitungsstrategien der ‚großen Schuld‘. Sie zeigen, dass es neben dem großen Schweigen auch schon immer ein kleines Reden gegeben hat, an das spätere Generationen anknüpfen konnten.“

    Jens Priwitzer, literaturkritik.de, Juni 2016

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