Beschreibung
Vicco von Bülow (1923–2011) etablierte sich mit dem Künstlernamen Loriot – der französischen Entsprechung des Vogels Pirol, dem Wappentier der Familie Bülow – und galt als Deutschlands größter Humorist.
In Loriots Sketch "Literaturkritik" präsentiert ein näselnder Feuilletonist den neuen Bahnfahrplan als aufregendste Neuerscheinung der Frankfurter Buchmesse: Mit Nachdruck weist er darauf hin, dass das Werk in keinem Bücherschrank fehlen solle. Welche Folgen dieser Aufruf für die Breitenwirkung des Fahrplanheftes der Deutschen Bahn hatte, ist nicht bekannt. Loriots Karikaturen, Sketche und Filme hingegen erfreuen sich einer nicht unerheblichen Verbreitung in Bücherregalen und DVD-Schränken, Programmplänen und im Internet.
Die Beiträge des Heftes fragen nach Ort und Funktion des Werks von Vicco von Bülow in der bundesdeutschen Nachkriegsgesellschaft und in der Geschichte der komischen Kunst. Sie analysieren die Kritik, die er an seiner Gegenwart geübt hat, und die Art und Weise, wie diese inszeniert wird – in der Darstellung von kommunikativem Verhalten, mit den Mitteln des Zeichners oder durch zahlreiche Anspielungen und Querverweise in den Sketchen. Nicht zuletzt vermessen sie Loriots Räume, gehen mit ihm in die Oper und kommen am Ende auf den Hund.
Rezensionen
"Weiß nicht, ob’s zum Angeben taugt, aber 2021 sind u. a. Bände zu Wolfgang Welt, Thomas Meinecke und Loriot erschienen. Spannend, deren Werk literaturwissenschaftlich zu erkunden."
die taz, 11.12.2021
"Auch 'Herren im Bad', wohl einer der bekanntesten Sketche Loriots und 1978 erstmals ausgestrahlt, dürfte auf eine Bildergeschichte von Wilhelm Busch zurückgehen ('Das Bad am Samstagabend', 1869), wie man jetzt in einem Aufsatz von Tom Kindt nachlesen kann, der in der jüngsten, von Anna Bers und Claudia Hillebrandt herausgegebenen Ausgabe der Literaturzeitschrift 'Text und Kritik' erschienen ist. Wer glaubte, er kenne sich bei Loriots bestens aus, darf sich von den insgesamt neun im Heft versammelten Texten eines Besseren belehren lassen. Und Belehrung war schließlich eines der Lieblingsthemen Loriots, der einem Bürgertum, das es nicht mehr gab, zeigen wollte, was es alles nicht mehr wusste."
Hubert Spiegel, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.12.2021
"Weiß nicht, ob’s zum Angeben taugt, aber 2021 sind u.a. Bände zu Wolfgang Welt, Thomas Meinecke und Loriot erschienen. Spannend, deren Werk literaturwissenschaftlich zu erkunden."
taz, 11.12.2021
„Es ist schon etwas Besonderes, wenn sich die ehrwürdige Text+Kritik-Reihe mit einem Vertreter der komischen Kunst beschäftigt, selbst wenn dieser einen göttergleichen Status genießt wie Loriot.“
Am Erker, 81/2021
"Mit der Heiterkeit in Loriots Werk beschäftigt sich durchaus ernsthaft eine Publikation der Reihe Text+Kritik. Hier werden der große Mann des deutschen Humors und seine Art der Gesellschaftskritik wissenschaftlich beleuchtet. Was beim Leser zur ein oder anderen interessanten Erkenntnis führen kann."
Main-Echo, 4.8.2021
"Und bevor ich jetzt höre: Ach was!, lese man lieber den (trotz Akademismen wie »Oberflächenebene«) erhellenden Aufsatz von Eckhard Pabst im frisch erschienenen 'Text+Kritik'-Band 'Loriot'. Und die anderen Beiträge nach Gusto auch. Weil auch wir Älteren nicht alles wissen; auch wenn wir noch wissen, wer Loriot war."
Titanic, 7/2021
"Die anderen Verfasser lassen das Vergnügen besser spüren, das Loriots Cartoons, Zeichentrickfilme, Fernsehsketche und Filmkomödien bereiten, und präsentieren manches unbekannte Detail hinsichtlich namentlich angelsächsischer Vorläufer oder zeitgenössischer Verwandter; verdienstvoll auch die Hinweise auf die mitunter wütende Ablehnung, auf die Loriots frühe Arbeiten stießen."
Peter Köhler, Junge Welt, 26.6.2021
"Wie Loriots Humor nach anfänglichen Widerständen in der bundesdeutschen Geschichte immer erfolgreicher wurde, beschreibt wiederum der Historiker Christoph Classen in seinem Beitrag 'Lachen nach dem Luftschutzkeller' im Sammelband Text+Kritik. Er sieht die Bedeutung Loriots unter anderem eng mit der Modernisierung verzahnt: Die Massenmedien wurden immer wichtiger, das Fernsehen setzte sich durch – und mit ihnen Loriot, der gleichzeitig die vermeintlichen Segnungen der Moderne, von der Werbung bis zum Konsumrausch, immer wieder bespöttelte."
Antje Weber, Süddeutsche Zeitung, 11.5.2021
Deutschlandfunk Büchermarkt: Claudia Hillebrandt im Gespräch mit Gisa Funck
"So harmlos war Loriot gar nicht!"
https://www.deutschlandfunk.de/claudia-hillebrandt-ueber-loriot-so-harmlos-war-loriot-gar-100.html
Deutschlandfunk, 11.5.2021