Beschreibung
Am 19. August 1952 fährt Arno Schmidt mit seiner Frau Alice zum zweiten Mal nach Stuttgart. Obwohl schon 38 Jahre alt, nennt ihn der 13 Jahre jüngere Martin Walser noch einen "jungen Autor". Eingeladen hat ihn Walser, frisch promoviert, damals freier Mitarbeiter des Süddeutschen Rundfunks. Ein erstes Treffen kam nicht zustande, obwohl Schmidt in Stuttgart war. Schmidt wird heftig ersehnt und zugleich kommt er mit der Hoffnung auf (dringend benötigte) Publikationsmöglichkeiten und - Spesen.
"Sie sollen aber nach Stuttgart kommen. Es muss etwas gefunden werden, das Sie hierherlockt", schreibt ihm Martin Walser. "'Die Tagung?' Eine Hörspielbearbeitung von 'Gadir'? (Liegt übrigens fertig vor. Hoffentlich hab ich's recht gemacht!) Eine Bandaufnahme: Diskussion über Arno Schmidt? (Liegt auch schon vor!) Was also, um alles in der Welt, kann Sie nach Stuttgart locken? Die Spesen! Das wäre etwas. Max Bense? Auch eine Lockung. Er hält Ihre Bücher mit ausgestreckten Händen weit überm Kopf und sieht zuweilen - er der ganz Freie und Spröde - andächtig hinauf. Also vielleicht Max Bense", schreibt ihm Martin Walser.
Max Bense wird es vermutlich nicht gewesen sein, der ihn gelockt hat, sondern die "Spesen" und eine Lesung im Rundfunk, aufgenommen am 19.8.1952.
Inhaltsverzeichnis
Hans-Peter Kunz
Arno Schmidt und Max Bense
Orientierungsversuche der Literatur nach 1945
Friedhelm Rathjen
Von Gärtnern und Vögeln
Ein Randstück zu Schmidts "Seelandschaft"
Rezensionen
Thomas Körber zu Arno Schmidts Tagebüchern
Giesbert Damaschke zu Hans Wollschlägers "Der Fall Adams" und
Sabine Kyora zu Ingo Leiß' "Caliban über Setebos"-Studie
Bibliografie
Rezensionen
"Der Bargfelder Bote ist kein Liebhaberblatt für treue Gemeindemitglieder, sondern seit Jahrzehnten die präziseste Werkstatt der Schmidt-Forschung: kein Weihrauch, keine Jubiläumsprosa, sondern Quellen, Korrekturen, Seitenwege, Einwände. Die neue Lieferung 517–518 vom April 2026 führt das mit seltener Geschlossenheit vor. Hans-Peter Kunz schreibt über Arno Schmidt und Max Bense, Friedhelm Rathjen über ein Randstück zu 'Seelandschaft mit Pocahontas', Thomas Körber über Schmidts Tagebücher, Giesbert Damaschke über Hans Wollschlägers 'Fall Adams', Sabine Kyora über eine neue Studie zu 'Caliban über Setebos'. Das Heft wirkt zunächst spezialisiert. Tatsächlich erklärt es sehr genau, worum es bei Arno Schmidt bis heute geht: um einen Autor, der nie nur aus Texten bestand, sondern aus ökonomischem Druck, theoretischen Anstößen, Fehldeutungen, Provinzerfahrungen, Selbstquälerei und einer ungewöhnlichen Fernwirkung auf andere."
Gunnar Sohn, ichsagmal.com, 4/2026