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    Porträts und Profile
    Herbert von Karajan
    Macht – Ohnmacht – Vermächtnis

    • Kartoniert

      2026, 346 S., s/w Abb., 1. Auflage
      ISBN 978-3-96707-618-9
      € 29,00
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    • eBook (PDF (Digitales Wasserzeichen))

      2026, 346 S., s/w Abb., 1. Auflage
      ISBN 978-3-96707-619-6
      € 28,99
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    Beschreibung

    Unter allen großen Dirigenten des 20. Jahrhunderts stellt Herbert von Karajan (1908–1989) wohl die weltweit berühmteste, zugleich aber am schwersten greifbare Erscheinung dar. Auf der Grundlage zahlreicher neuer oder bislang unbekannter Dokumente entwirft das Buch von Wolfgang Rathert ein differenziertes Bild dieser komplexen Persönlichkeit mit dem Ziel, ihre notwendige Entmythisierung fortzuführen.

    Nach der ersten, über weite Strecken glänzenden Karriere im Nationalsozialismus entfaltete der "Generalmusikdirektor Europas" ab Mitte der 1950er Jahre als Nachfolger Furtwänglers an der Spitze der Berliner Philharmoniker, bei den Salzburger Festspielen, an der Wiener Staatsoper, in Luzern und Mailand und in strategischer Allianz mit der aufstrebenden Tonträger-Industrie seine Macht in beispielloser Weise. Nicht nur als Dirigent, sondern auch als Regisseur von Opern und Musikfilmen, als Intendant, als Festivalleiter und Musikunternehmer versuchte Karajan auf den Spuren Richard Wagners seine Vision eines perfekten musikalischen Kunstwerks zu realisieren. Seiner verdrängten musikpolitischen Vergangenheit und den Folgen seines Pakts mit dem technologischen Fortschritt stand Karajan jedoch zunehmend ohnmächtig gegenüber. Ob er am Ende an der Dialektik von Macht und Ohnmacht scheiterte und welches Vermächtnis er hinterlassen hat, bleibt diskussionswürdig.

    Die Reihe "SOLO – Porträts und Profile" lädt dazu ein, die Künstlerinnen und Künstler der "klassischen" Musik kennenzulernen. Erstmals auf dem deutschsprachigen Buchmarkt stehen hier internationale Interpretinnen und Interpreten des 20. und 21. Jahrhunderts im Mittelpunkt. Jedes Buch porträtiert in gut zugänglicher und kompakter Form eine Musiker-Persönlichkeit: Dirigentinnen und Dirigenten, Solistinnen und Solisten, Sängerinnen und Sänger. Biografie und Karriere werden ebenso vorgestellt wie wesentliche Merkmale des individuellen Musizierens. Eine Einordnung des künstlerischen Profils rundet die fundierten Darstellungen ab.

    Die Autorinnen und Autoren der Reihe sind auf ihrem jeweiligen Gebiet ausgewiesene Fachleute und kommen aus Forschung und Praxis.

    Inhaltsverzeichnis

    Vorwort und Dank

    I Kunst – Macht – Politik
    Von den Schwierigkeiten einer Karajan-Biografie | Das Gewicht der Geschichte | Phänomen und Phantom | Charisma und Entzauberung

    II 1908–1934: Der Aufstieg (Salzburg I, Wien I, Ulm)
    Salzburg und Wien | Faszination der Technik | Ulm | Exkurs I: Partei- oder Karteimitglied? Karajans Mitgliedschaft in der NSDAP

    III 1934–1942: Die erste Karrierestation (Aachen)
    Aachen als Musikstadt | Karajans Start | Bekenntnis zum Nationalsozialismus | Die Grenzland-Ideologie | Einsatz für die Zeitgenossen | Deutsche Seele und Expansionsdrang | Künstlerische Partner in Aachen | Karajan als Opernregisseur | Die erste Ehe

    IV 1938–1945: Im Zentrum der politischen Macht (Berlin I und Linz)
    Die Eroberung Berlins | Im Schatten Furtwänglers | Karajan und Tietjen | Gustaf Gründgens | Von der Nülls Karajan-Deutung | Mythos und Wirklichkeit: Die "Meistersinger"-Aufführung 1939 | Erfolge in Rom und Paris | Die zweite Ehe | Der (angebliche) Parteiaustritt | Goebbels und Karajan | Verteidigungsstrategien I | Bruckner-Pflege in Linz | Kriegsende | Exkurs II: Das Entnazifizierungsverfahren

    V 1946–1971: Zwischenstationen
    Partnerschaft mit Walter Legge | Fantasie und Selbstzucht | Die Wiener Symphoniker | Karajan und Harnoncourt | Die Internationalen Musikfestwochen Luzern | Italien: Die Mailänder Scala | Ein kurzes Gastspiel auf dem Grünen Hügel | Ein zweites Mal Paris | Exkurs III: Karajan und die zeitgenössische Musik

    VI 1947–1989: Karajans Bayreuth (Salzburg II)
    Historische Kontexte | Ante portas | Vertragsverhandlungen | Am Ziel | Die Osterfestspiele | Die Kehrseite des Erfolgs | Kunstreligion und Kommerz

    VII 1957–1989: Ein moderner Renaissancefürst (Wien II)
    Krisen und Rücktritte | Kunstwirtschaft und Kartell | Jenseits und nach der Staatsoper

    VIII 1956–1989: Macht und Ohnmacht (Berlin II)
    Eine schwierige Beziehung | "... für unbestimmte Zeit" | Ein "fait accompli" | Eine filmreife Szene | Proteste in den USA | Verteidigungsstrategien II | Das magische Plus | Ein unvergessliches Konzert | Berliner Erfolge | Respekt vor dem Gesetz |
    Exkurs IV: Karajans Musikfilme

    IX Was bleibt?
    Sachlichkeit und Metaphysik | Zwischen Weltanschauung und Technokratie | In allen Sätteln reiten | Domestizierte Wildheit und rhythmische Differenziertheit | Vom Umgang mit der musikalischen Zeit | Karajans Wagner | Schicksal statt Politik | Perfektionierung der Aufnahmetechnik | Stiftungen und Initiativen | "Le roi est mort! Vive le roi?"

    Anhang
    Karajans Opern-Inszenierungen 1940–1982
    Karajans Opern- und Konzertfilme 1962–1985
    Archivalische und bibliografische Ressourcen
    Zeittafel
    Bildnachweis
    Personenregister

    Rezensionen

    "Auch der Musikwissenschaftler Wolfgang Rathert kommt natürlich in seiner umfangreichen, detailfreudigen Biografie nicht an Karajans Rolle unter dem Hakenkreuz vorbei. Doch im Gegensatz zu vielen anderen Lebensbeschreibungen, die bereits zu Karajans Lebzeiten erschienen sind, hält sich Rathert mit moralischen Bewertungen zurück und bleibt lieber bei der sich bis heute immer noch verändernden Faktenlage. Auch abseits jener dunklen Jahre bietet Karajan dem Autor weiterhin Stoffe und Themen, die er ungemein lesenswert aufbereitet. Dazu gehören die Karrierewege von Aachen bis Berlin genauso wie persönliche Animositäten mit Musikerkollegen. Und einen Schwerpunkt bilden gleichermaßen Karajans Pioniertaten auf dem Gebiet der medialen Verbreitung der klassischen Musik."

    RONDO, 25.7.2026
    "Bei kaum einem anderen Musiker ist noch heute der Diskurs so aufgeladen wie bei Herbert von Karajan. Die einen verehren ihn als absolutes Genie und verfallen in der Begründung dieses Ansatzes nicht selten in elitäre und arrogante Argumentationsmuster. Andere wollen offenbar alles daran legen, Karajan als den extrem mächtigen Akteur des globalen Musikbetriebs, der er war, zu demontieren. Und oft setzten Musikwissenschaftler und Publizisten ihre Kapazitäten dafür ein, Karajans schwerwiegende nationalsozialistische Vergangenheit und Überzeugung zu bagatellisieren oder zu entschuldigen. Wolfgang Rathert hat jetzt ein weiteres Buch zu dem Dirigenten veröffentlicht, geht dabei aber einen entscheidenden Schritt zurück und vermittelt den Eindruck, ohne ideologische Vorfärbung auf Werk und Leben des Dirigenten zu blicken. Vorbildlich in all seiner Nüchternheit ist bei all dem Ratherts Ton. Im Jahr 2026 ist dieser objektive, sachorientierte Ton eine Wohltat."

    SWR Kultur, Hannah Schmidt, 16.7.2026
    "Wolfgang Rathert stützt sich in seiner neuen Biografie auf neue Archivfunde und verschiebt den Fokus der Debatte bewusst weg von der seit Jahrzehnten diskutierten Frage nach Karajans NSDAP-Mitgliedschaft. Entscheidend sei nicht, wann Karajan der Partei beitrat oder welche Mitgliedsnummer die richtige sei, sondern wie eng seine Karriere mit den Strukturen des NS-Staates verflochten war und wie sehr er diese für seinen beruflichen Aufstieg nutzte. (...) Sein Fazit ist differenziert, aber eindeutig: Karajan war weder ein glühender Nationalsozialist noch ein bloßer Mitläufer. Er nutzte die Möglichkeiten des NS-Staates für seinen Aufstieg, unterstützte dessen Kulturpolitik zumindest zeitweise öffentlich und bemühte sich später erfolgreich, diesen Teil seiner Biografie in den Hintergrund treten zu lassen. Damit, so Rathert, lässt sich Karajans künstlerisches Vermächtnis nicht von seiner politischen Geschichte trennen."

    Axel Brüggemann, backstageclassical.com

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