Beschreibung
Das grenzsprengende Potenzial literarischer Tagebücher
Veröffentlichte Tagebücher von Schriftsteller:innen sind Texte, die sich allzu klaren Zuordnungen entziehen. Sie bewegen sich zwischen Privatheit und Öffentlichkeit, unmittelbarer Niederschrift und Nachbearbeitung sowie Authentizität und Fiktion. In vielen Fällen haben die Werke mehr mit kunstvoll arrangierten Romanen gemein als mit der Idee eines Tagebuchs, in dem am Abend der abgelaufene Tag bilanziert wird. Obwohl literarische Tagebücher schon von jeher Gattungsgrenzen überwunden haben, konnte sich mit dem Schreiben im Internet und dem Aufkommen diarischer Formen wie Blogs die Vielfalt der Gattung nochmals steigern.
Warum trägt Rainald Goetz’ "Abfall für alle" trotz eines radikalen, an Minuten und sogar Sekunden orientierten Echtzeitversprechens die Bezeichnung Roman? Was leistet das textuelle Wuchern in Navid Kermanis voluminösem "Dein Name"? Welche Funktion kommt den Erzählschleifen in Wolfgang Herrndorfs "Arbeit und Struktur" zu? Und wie erschafft Terézia Mora in "Fleckenverlauf" auf der Suche nach einem neuen Romanstoff nebenbei selbst Literatur? Auch wird betrachtet, welche Rolle begleitenden Poetikvorlesungen und Filmen zukommt, warum alle Autor:innen mit Begeisterung andere Tagebücher lesen und welche Folgen der Rhythmus des täglichen Schreibens mit sich bringt.
Inhaltsverzeichnis
Inhalt
Einleitung
1 Theoretische Perspektiven
1.1 Übergänge und Grenzen im Tagebuch
1.2 Zum Begriff Liminalität
1.3 Gattungsdiskussion im Hinblick auf Liminalität Veröffentlichungsabsicht
1.4 Felder einer liminalen Gattungsanalyse
1.5 Zum Textkorpus
2 Experimentelle Diaristik: "Abfall für alle" von Rainald Goetz
2.1 Zeitlichkeit und Rhythmus
2.2 Intertextualität
2.3 Narration
3 Das Tagebuch als Gesamtwerk:"Dein Name" von Navid Kermani
3.1 Zeitlichkeit und Rhythmus
3.2 Inter- und Intratextualität
3.3 Narration
4 Diaristik und Endlichkeit: "Arbeit und Stuktur" von Wolfgang Herrndorf
4.1 Zeitlichkeit und Rhythmus
4.2 Inter- und Intratextualität
4.3 Narration
5 Literarische Kreation im Tagebuch: "Fleckenverlauf" von Terézia Mora
5.1 Zeitlichkeit und Rhythmus
5.2 Inter- und Intratextualität
5.3 Narration
6 Fazit