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Jorge Semprún
Einer der Kronzeugen des abgelaufenen Jahrhunderts wird besichtigt. Jorge Semprún, 1923 in Madrid geboren, mehrsprachiger Erzähler, Essayist und Drehbuchautor, verkörpert eine europäische Existenz: aufgewachsen vor allem im französischen Exil, früh vertraut mit deutscher Philosophie und Kultur, Mitglied der Résistance, Häftling im Konzentrationslager Buchenwald, Kommunist und Illegaler im spanischen Untergrund, später Ankläger des Totalitarismus in jeder Gestalt, schließlich einige Jahre Kulturminister des demokratischen Spanien.
Zu Semprúns Lebensstoff gehören die Schrecken des Lagers und die Obsessionen des Terrorismus, die Abenteuer der Tarnexistenz im Versteck, die Magie der Bücher, die Zeichenkraft berühmter Gemälde, der Zauber jäher Sexualität. Wilfried F. Schoeller beschreibt das Geheimnis eines Erzählers, dessen Erinnerung sich immer wieder neu erfindet, die artistische Technik des Gedächtnisses, im scheinbaren Vergessen sich zu sammeln.
Semprúns Werk, in viele Sprachen übersetzt, wird wohl in Deutschland am meisten verehrt; der Autor wurde 1994 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Die Monografie entwickelt die Stadien seines Werks in jener eigentümlichen Verschränkung von politischer und ästhetischer Reflexion, die seine Souveränität ausmacht.
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