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Wer die Kompositionen des italienischen Komponisten Luciano Berio (1925–2003) als multiple Musik bezeichnet, will damit zum Ausdruck bringen, dass sie divergente, durchaus disparate Elemente in sich zu vereinigen versteht.
Multipel erscheinen in Berios Werk auch Sprache und Geschichte, vor allen Dingen dann, wenn Werke genuin sprachgebunden sind wie beispielsweise diejenigen für das Musiktheater, in denen Berio neue Verbindungen zwischen Musik, Text und Szene herstellt. Die Sprache besitzt aber nicht nur in Berios Kompositionen für Musiktheater, sondern darüber hinaus auch in seinen Vokal- oder Tonbandkompositionen wie »Thema« (Omaggio a Joyce), »Sequenza III« oder »Visage« eine besondere Bedeutung. Sie erfährt selbst in seinem wohl bekanntesten Werk »Sinfonia« eine besondere Behandlung, die die Autorinnen und Autoren des vorliegenden Bandes weitgehend beschäftigt. Aus der multiplen Sprachlichkeit der Musik Berios spricht ein Geschichtsbewusstsein, das zwischen Tradition und Innovation angesiedelt ist und ohne die Einflüsse Umberto Ecos und Claude Lévi-Strauss’ weder denkbar noch erklärbar wäre.
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